
Obwohl ihre Konstruktion mehr als ein halbes Jahrhundert alt ist, mutet
ihr Aussehen auch heute noch futuristisch an. Die schnittige Eleganz
und die seinerzeit phänomenale Geschwindigkeits- und Steigleistung
machten sie für die Piloten zum Inbegriff des "Pilot's Aircraft"!
Viele, auch modernere Typen, sind in Vergessenheit geraten; nicht die
104!
In Eigeninitiative begann die Firma Lockheed
1952 unter der Leitung von "Kelly" Johnson mit Studien für
einen leichten Luftüberlegenheitsjäger. Am 12. März 1953
wurde der Bauauftrag für zwei Prototypen erteilt und bereits am
28. Februar 1954, nach weniger als 12 Monaten, war die Maschine unter
dem Testpiloten A. W. "Tony" LeVier erstmals Airborne!
In der folgenden Zeit konnten mit der F-104 eine Reihe spektakulärer
Rekorde erflogen werden. 1956 erreichte sie als erstes Flugzeug ohne
Raketen im Horizontalflug Mach 2. 1958 wurde der Höhenweltrekord
auf 27 811 m verbessert, während eine weitere Maschine den Geschwindigkeitsrekord
auf 2246,7 km/h schraubte. Mit zusätzlichem Raketentriebwerk erreichte
eine NF-104 im Jahre 1963 sogar 36 901 m!
Die Serienfertigung begann 1956. Allerdings führten geänderte
Forderungen zu Kürzungen des Programms. Von ursprünglich 722
bestellten F-104 übernahm die USAF tatsächlich nur knapp 300.
Es schien, als wäre die Karriere des Starfighters nur von kurzer
Dauer.
Dies
änderte sich mit einer Ausschreibung des deutschen Verteidigungsministeriums.
F-84, F-86 und Hawker Seahawk sollten durch ein einziges, allwetterfähiges
Muster ersetzt werden. Lockheed überarbeitete die F-104 von Grund
auf. Mit Mehrzweckradar, verstärkter Struktur, höherer Nutzlast
und Reichweite konnte sich die F-104G gegen starke Konkurrenz durchsetzen.
1959 wurden die ersten von insgesamt 916 Flugzeugen ausgeliefert. Ein
Kernpunkt des Programms war die Lizenzfertigung der meisten deutschen
Starfighter durch einheimische Firmen. Eine Vielzahl anderer Nationen
folgte dieser Entscheidung. Insgesamt sollten 2600 Maschinen exportiert
oder in Lizenz gebaut werden. In Italien stehen die letzten noch heute
im Einsatz.
Die politisch bedingte, zu rasche Einführung des komplexen Waffensystems
brachte naturgemäß Probleme mit sich, die sich in einer scheinbar
überproportional hohen Absturzrate manifestierten. Bei Verlusten
von 292 Maschinen fanden 116 Piloten den Tod. Auf die Tragik der betroffenen
Piloten und ihrer Hinterbliebenen soll an dieser Stelle ausdrücklich
hingewiesen werden. Die in den Medien dramatisch überzogene Berichterstattung
war jedoch angesichts der Statistik nicht gerechtfertigt. Insgesamt
wurden in 30 Jahren über 2 Millionen Flugstunden geflogen. Das
bedeutet: auf 6630 Flugstunden kam ein Verlust. Verglichen mit anderen
Flugzeugen dieser Zeit stellt das einen üblichen Wert dar.
Dennoch: jeder Absturz ist einer zuviel, und deshalb dient dieses Museum
auch der Erinnerung an alle diejenigen, die in der 104 für die
Bundesrepublik Deutschland im Dienst friedenssichernder Abschreckung
ihr Leben gelassen haben.
Ein Gedenkstein am Eingang des Museums erinnert uns daran, dass diese
Opfer angesichts des friedlichen Endes der Ost-West-Konfrontation nicht
vergebens gewesen sind.